1. Elemente pädagogischen Handelns

Gymnasium am Wirteltor, Düren
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1.1 Der Weg zum Schulprogramm - ein permanenter Prozess von Konsensfindung und Absprachen
1.2 Erziehungsauftrag, pädagogische Leitlinien
1.3 Lerngruppen



1.1 Der Weg zum Schulprogramm – ein permanenter Prozess von Konsensfindung und Absprachen

In seiner langen Tradition hat das Gymnasium am Wirteltor schon seit vielen Jahren die Erarbeitung eines speziellen Schulprofils, der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung im Hinblick auf den Unterricht und die Erziehungsarbeit in der Schule als selbstverständliche Aufgabe aller am Schulleben Beteiligten angesehen. Bereits im Jahre 1994 wurden an mehreren Arbeitstagen die Elemente eines "GaW-Profils" als Basis für die Schulprogrammentwicklung erstellt.

In einem langjährigen Prozess wurden einzelne Elemente des Schulprofils – zum größten Teil in Arbeitskreisen – überarbeitet und in den verschiedenen Mitwirkungsgremien diskutiert und abgestimmt. Es wurde der Versuch unternommen, die unterschiedlichen schulischen Arbeitsfelder miteinander in Beziehung zu setzen und in ein Gefüge zu bringen, damit eine Orientierungsfunktion für die Schule und die Gestaltung des Schullebens entstehen kann.

Insgesamt wurde in den Gremien immer wieder betont, dass außerunterrichtliche Aktivitäten nachdrücklich das Profil einer Schule prägen und unverzichtbar für eine lebendige Schule sind, dass aber der Unterricht als Kern der schulischen Arbeit im Mittelpunkt stehen muss.

Das bedeutet für unser Gymnasium: Der Fachunterricht des einzelnen Fachlehrers, der nicht von dem Erziehungsauftrag, wie er im Bildungsauftrag der Schule festgeschrieben ist, getrennt werden kann, steht im Mittelpunkt aller Bemühungen unserer Schule. Fächerübergreifende und fächerverbindende Ansätze als notwendige Ergänzung zum traditionellen Fachunterricht werden im Schulcurriculum, das in den schulinternen Fachlehrplänen vorliegt, aufgeführt und sind ein wichtiger Bestandteil des erwähnten Bildungsauftrages.

Es muss jedoch betont werden, dass unsere Schule auch künftig weit mehr zu leisten hat als nur die Vermittlung von Fachkompetenzen. Es geht immer sowohl um konkret verwertbare und überprüfbare Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten als auch um Persönlichkeitsentwicklung und die Entwicklung des Wertebewusstseins und des sozialen Verantwortungsgefühls.

Daher gehören zu unserer Schule sowohl intensive fachliche Lernprozesse als auch ein lebendiges Schulleben und die Öffnung zu unserem Umfeld.

Mit dem vorliegenden Schulprogramm gestaltet die Schule den Rahmen, in dem sie ihre pädagogische Verantwortung für die eigene Entwicklung und die Qualität ihrer pädagogischen Arbeit wahrnimmt.


1.2 Erziehungsauftrag, pädagogische Leitlinien

Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen haben die Bedingungen für Bildung und Erziehung unserer Kinder sicher nicht leichter gemacht. Probleme in der Familie, Veränderungen des Freizeit- und Konsumverhaltens, der zunehmende Einfluss der Unterhaltungsindustrie sowie globale ökonomische und ökologische Probleme sind nur Beispiele für die schwierigen Rahmenbedingungen der schulischen Arbeit.

Nur wenn alle mit Unterricht und Erziehung Befassten – also LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen – ihre Bemühungen koordinieren, können wir dem gesetzlich vorgeschriebenen Bildungsauftrag gerecht werden.

Die in Artikel 7 der Landesverfassung festgelegten Grundsätze der Erziehung verlangen von der Schule Hilfen zur Entwicklung einer mündigen und sozialverantwortlichen Persönlichkeit. Das umfasst die Entfaltung individueller Fähigkeiten, den Aufbau sozialer Verantwortung, die Hinführung zur Mitgestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur Teilhabe am kulturellen Leben und zur verantwortlichen Tätigkeit in der Berufs- und Arbeitswelt sowie die Entwicklung ethischen Urteilens und Handelns. Der Vorbildfunktion des jeweiligen Fachlehrers kommt in diesem Erziehungsprozess eine große Bedeutung zu. Den Prinzipien der Toleranz und Weltoffenheit fühlt sich unsere Schule in besonderem Maße verpflichtet. Das Kennenlernen und Verstehen anderer Länder und Kulturen, das sich auch in den vielfältigen Schulpartnerschaften widerspiegelt, hat in unserer schulischen Arbeit einen hohen Stellenwert und unterstreichen die internationale Orientierung, die auch in der Mehrsprachigkeit (die SchülerInnen sollen möglichst drei Fremdsprachen lernen) zum Ausdruck kommt. Einigkeit herrscht in allen Gremien, die sich um eine pädagogische Konsensbildung bemühen, dass die Entwicklung folgender Fähig- und Fertigkeiten sowie Haltungen der SchülerInnen im Mittelpunkt aller Bestrebungen stehen müssen: Fachkompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Urteilsvermögen, Medien- und Methodenkompetenz, Kritik- und Konfliktfähigkeit, Demokratie- und Geschichtsverständnis, Führungs- und Teamfähigkeit, Kreativität und Leistungsbereitschaft, aber auch ein In-sich-selbst-Ruhen, das zur gelassenen Auseinandersetzung befähigt und Unsicherheiten aushalten lässt. Der Erwerb und die Erhaltung der Fähigkeit zu lebenslangem Lernen muss sowohl bei den LehrerInnen als auch bei den SchülerInnen als wichtiges Ziel im Blick bleiben, denn die Qualität des Lernens ist heutzutage wichtiger als die Quantität des Wissens.

Zu dieser Qualität des Lernens gehört, dass die SchülerInnen lernen müssen: Wie nutze ich die unterschiedlichen Informationsträger, wie wähle ich Informationen aus, wie organisiere und beurteile ich sie, wie komme ich zu Entscheidungen und Lösungen. Hier wird man trotz der neuen Möglichkeiten des Internets nicht auf die traditionellen Informationsträger, die im Unterschied zu den vielfältigen Informationsschnipseln des Internets schon von Fachleuten strukturiert und geordnet sind, verzichten können. Ein solches Lernen ist zwangsläufig ein soziales Lernen. Die SchülerInnen müssen lernen im Team zusammenzuarbeiten, die Arbeit aufzuteilen und in gemeinsamen Gesprächen wieder zusammenzufügen. Es zwingt die SchülerInnen eigene Positionen und Arbeitsergebnisse in der Auseinandersetzung mit der Gruppe durchzusetzen und zugleich zu relativieren. Unsere Schule sollte auch ein Ort sein – auch das gehört zur Qualität des Lernens – an dem das Eintreten für die Demokratie und den Wert der Freiheit gelebt wird. Die SchülerInnen müssen schon in der Schule erfahren, dass Demokratie vom Engagement ihrer Bürger lebt, von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Die Arbeit in der Schülervertretung und die Mitarbeit in den Mitwirkungsorganen sind besonders geeignet, SchülerInnen auf ihre gesellschaftliche Verantwortung vorzubereiten.

Bei der Entwicklung der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft dringen die Computer in immer neue Bereiche vor und die neuen Kommunikationsmedien vernetzen die ganze Welt. Positiv ist: das Wissen, das irgendwo auf der Welt entsteht, kann jederzeit und fast an jedem Ort abgerufen werden; negativ jedoch: die Medien prägen und überwältigen z.T. unsere Vorstellung mit Bildern und drängen das Wissen aus eigener Erfahrung zurück. Die Folge kann Unsicherheit sein, vielleicht Angst, in jedem Fall aber mehr Bedarf an Orientierung.

Für die Erziehung an unserer Schule bedeutet das: Der Computer und die Computernutzung dürfen nicht ausgeklammert werden; dabei geht es aber nicht nur um das Einüben neuer Kulturtechniken (Computernutzung, Internet-Surfen), sondern es geht auch um eine Persönlichkeitsbildung, die es möglich macht, die Informationsgesellschaft engagiert mitzugestalten. Die SchülerInnen müssen lernen, dass die neuen Medien nicht automatisch Wissen vermitteln, sondern zunächst nur Millionen von Informationsschnipseln akkumulieren und servieren. Der Nutzer muss dann im Informationsvielerlei selbst Ordnung schaffen, indem er Ziele, Abfolgen und Prioritäten definiert. Eine angestrebte Medienkompetenz darf sich nicht in der möglichst effektiven und schnellen Einbindung des Internets in den Unterricht erschöpfen; neben den Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen wird auch der kritische Umgang mit dem Computer, das Verstehen, Beurteilen und Verarbeiten anderer medialer Zeichensysteme mehr und mehr eine Rolle spielen. Die Benutzung des Computers als Arbeitsmittel im Unterricht wird dann in kurzer Zeit selbstverständlich sein.

Schon in den bisherigen Ausführungen ist deutlich geworden, dass die Arbeit an unserer Schule geprägt sein muss von den bedingenden Faktoren der Kooperation und einer klaren Zielorientierung. Unsere Schule darf kein System sein, das sich aus einer Vielzahl von pädagogischen "Einzelkämpfern" zusammensetzt. Schule ist eine Ganzheit, in der der Einzelne nicht seine Freiheit und Verantwortung aufgibt, sondern produktiv und kooperativ einsetzt, um die Kinder und Jugendlichen zu fördern. Diese stellen die Zielgruppe der Schule dar; die Ausbildung ihrer Persönlichkeit steht im Mittelpunkt der Bemühungen. Alles Übrige einschließlich der Fachinhalte sind Mittel, die nicht nach Belieben zur Disposition stehen, sondern deren Vermittlung verpflichtend aufgegeben und in Richtlinien und Lehrpläne gefasst ist oder aber in einem permanenten Prozess der Konsensfindung und Absprachen abgestimmt wird.

Dieser Konsens muss immer wieder in den Fachkonferenzen bei der Diskussion über didaktisch- methodische bzw. curriculare Fragen erreicht werden und findet seinen Ausdruck in den vorliegenden schulinternen Curricula für die jeweiligen Fächer (vgl. Anlage).

Schwieriger ist sicherlich die Findung eines pädagogischen Konsenses im Hinblick auf eine gemeinsame Erörterung und Festlegung von Verhaltensregeln und in der Entwicklung eines gemeinsam vertretenen Verständnisses von Schule. Die seit vielen Jahren an unserer Schule institutionalisierten Runden (Schulleiterrunde, Unterstufenrunde, Mittelstufenrunde, Beratungslehrerrunde) sowie die Zusammenarbeit auch mit Eltern und SchülerInnen in den Mitwirkungsorganen haben dazu beigetragen, dass ein eindeutig artikulierter Leistungsanspruch von allen anerkannt wird und dass in einem gemeinsamen Verständnis von wünschenswerten Verhaltensstandards auch entsprechend gemeinsam auf alle Beteiligten eingewirkt wird.

Dieser permanente Prozess der Konsensfindung und Absprachen, der von Zeit zu Zeit unterstützt wird durch Arbeitskreise, die sich mit aktuellen Problemen beschäftigen, muss auch in Zukunft fortgeführt werden, damit bei der Zielorientierung in allen Bereichen Übereinstimmung entsteht. Über die reine Wissensvermittlung hinaus wollen wir die SchülerInnen zu bestimmten Einstellungen, Haltungen und Verhaltensweisen führen. Das bedeutet aber, die Entscheidungskriterien mit zu vermitteln, die den SchülerInnen helfen, zwischen verschiedenen Möglichkeiten des Handelns zu wählen. Diese Entscheidungskriterien ergeben sich nicht zwangsläufig aus den Fakten, sondern sie sind Teil des nach dem Erziehungsauftrag zu vermittelnden Wertesystems. In seiner Vermittlung werden wir umso erfolgreicher sein, je mehr es uns gelingt im Kollegium, aber auch in der Abstimmung mit den Eltern einen Konsens zu erzielen.

In bewusstem Bemühen um ein Klima der Förderung auch der schwächeren SchülerInnen, in einer aktiven Teilhabe an der gemeinsamen Schaffung eines guten Verhältnisses zwischen LehrerInnen und SchülerInnen und in der Pflege von Elternkontakten werden diese Anstrengungen offenkundig. Ebenso wichtig sind die Bemühungen aller Beteiligten um eine gute Schulatmosphäre. SchülerInnen und LehrerInnen sollen sich wohl fühlen in unserem Hause, gerne dorthin gehen und auch außerhalb des Unterrichts die Angebote der Schule wahrnehmen.


1.3 Lerngruppen

Die Schule wird zur Zeit 6- bzw. 7-zügig in den Jahrgangsstufen 5–7 und 5- bzw. 6-zügig in den Jahrgangsstufen 8–10 geführt, davon zwei Züge im englisch-bilingualen Zweig. Die daraus resultierende Größe der Schule erscheint uns optimal hinsichtlich der vielfältigen Differenzierungsmöglichkeiten sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Oberstufe. Die zweifellos damit auch in Verbindung stehenden Probleme organisatorischer Natur – vor allem der Raum-Kapazitäten – wurden im Laufe der letzten Jahre so stark minimiert, dass die Nachteile den Vorteilen gegenüber gering erscheinen. Dazu gehört aber besonders das stetige Bemühen, den Einzelnen und die kleine Gruppe als entscheidende Institution ernst zu nehmen und zu fördern und die Schulatmosphäre (wie schon unter 1.2 dargestellt) angenehm zu gestalten. Auch dies scheint nach der Meinung aller am Schulwesen Beteiligten gelungen zu sein.

In den Jahrgangsstufen 5–10 stellt die Klasse die vorherrschende Lerngruppe dar. Dabei soll laut Beschluss der Schulkonferenz vom Jahr 2000 eine Klassenneubildung nach der Klasse 7 erfolgen, die im Vergleich zu einer Neubildung nach Klasse 6 viele Vorteile haben dürfte.

Dementsprechend sollte die Kontinuität der LehrerInnenversorgung in der Regel für die beiden 3-Jahres-Rhythmen gewährleistet sein.

Neben den Klassen gibt es auch in der Sekundarstufe I schon häufig Kursbildung mit klassenübergreifender Zusammensetzung, einmal um den Wünschen der SchülerInnen, nach Neigung zu wählen, Rechnung zu tragen, andererseits um bei Differenzierungs-notwendigkeiten (Religionslehre, Sprachen) den LehrerInneneinsatz zu optimieren.

In der Sekundarstufe II ist das vollständige Kurssystem entsprechend der Fächerwahl der SchülerInnen eingeführt.

Zu Beginn der Jahrgangsstufe 5 werden zwei bilinguale Klassen und 4–5 nicht-bilinguale Klassen gebildet. Die Zusammensetzung erfolgt unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte. Dazu gehören:

- SchülerInnen der alten Grundschulklasse (oder einer Grundschule) sollen zusammen bleiben (wenn es nicht mehr als 5 sind),
- in der Klasse soll ein Übergewicht der Kinder einer Grundschule vermieden werden,
- in einer Klasse sollen Kinder aus dem Innenstadtbereich wie aus entfernteren Wohnbereichen sein,
- gleichartige Fahrverbindungen sollen berücksichtigt werden,
- die Anteile der Mädchen und Jungen sollen in allen Klassen ähnlich sein,


Wünsche, dass Kinder in dieselbe Klasse kommen, sollen erfüllt werden.

Zu Beginn der Jahrgangsstufe 8 werden die Klassen entsprechend der Wahl der zweiten Fremdsprache neu gebildet; dabei werden aber auch Wünsche der SchülerInnen zur Bildung von Lerngruppen und Überlegungen, möglichst konfliktfreie und gleichartig gemischte Klassen zu bilden, berücksichtigt.

Die Bildung der Kurse im Differenzierungsbereich der Mittelstufe und in der Oberstufe erfolgt entsprechend den Wahlen der SchülerInnen und den Möglichkeiten der Schule.