Süddeutsche Zeitung, 29.05.2010, Ausgabe München, Bayern, Deutschland, S. 3
Ressort: Die Seite Drei
Ich mach dich fertig
"Cyberbullying": So heißt das, wenn Kinder im Internet Kinder mobben. 24 Stunden täglich muss das Opfer auf alles gefasst sein. Weltweit gibt es mehr und mehr Tote. Dies ist die Geschichte von John Halligan, der seinen Sohn Ryan verlor.
Von Karin Steinberger
Und der Vater dachte noch, Glück gehabt, der Junge hat sich gefangen. Das ist für ihn jetzt das Schlimmste, dass er sich da so sicher war.
Dass er nichts wusste von den Qualen, die sein Sohn durchlitt, von dem Mädchen, das ihm online eine falsche Liebe vorspielte und ihn auf dem Schulhof in der realen Welt abblitzen ließ, von den Gerüchten, die ein Junge in allen Netzwerken verbreitete, der ihn terrorisierte und als Schwulen bezeichnete in der Cyberwelt, in der Gerüchte zu Fakten werden, weil keiner nach Beweisen fragt. Dass er keine Ahnung hatte von den Plänen des eigenen Kindes.
Nur im Internet wussten sie alles und fragten, wann es endlich so weit sei. "Morgen wirst du es in der Zeitung lesen", schrieb sein Sohn einem Wildfremden, den er auf einer Selbstmord-Website aufgelesen hatte: The most ideal suicide for you. Dann klickte er sich durch die Bildchen, auf denen gezeigt wird, wie man den Strick am besten knotet.
Als der Vater das alles las, war es zu spät. Am 7. Oktober 2003 erhängte sich sein Sohn Ryan Patrick Halligan am frühen Morgen im Badezimmer seines Elternhauses in Essex Junction, oben im Norden von Vermont, fast an der Grenze zu Kanada. Er war 13 Jahre alt. Die Eltern schliefen noch, während sich andere schon auf die Zeitung freuten.
Sieben Jahre ist das her, aber für den Vater ist seitdem an jedem Tag der 7. Oktober. Manchmal denkt er sich, das hält kein Mensch aus. Keiner. Und dann zieht er sich doch an, hellblaues Hemd, dunkle Hose, es ist ein warmer Tag in Massachusetts. 6. 30 Uhr, John Halligan macht sich auf den Weg zur Arbeit. Sein Job ist es, über den Tod seines Sohnes zu reden.
Der jägergrüne Toyota steht vor der Tür des Comfort Suites Hotels in Haverhill, 59 Dollar die Nacht, auf der Rückbank liegt ein Bügelbrett. Bei dem Zimmerpreis weiß man ja nie. Er schließt seinen Navigator an, gibt North Andover Middle School ein, fährt los. Die Frauenstimme schreit in den Morgen hinein: Fahren Sie auf die Interstate 93 Richtung Süden. Er fährt los, erst mal in die falsche Richtung.
Dreizehn Minuten dauert die Fahrt zur Schule, die Sonne knallt auf sein schlammverspritztes Auto, wie damals, unbarmherzig und strahlend. Wie an diesem 7. Oktober, als ihn um sechs Uhr morgens seine Frau anrief und schrie: "John, du musst heimkommen, du musst heimkommen. Ryan hat sich umgebracht."
Der Tag ist geronnen zu einem Film, der in seinem Kopf immer wieder abläuft. Wie er im Hotelflur zusammenbricht, wie er zum Flughafen fährt wie in Trance, wie er abgewimmelt wird am Airlineschalter, weil sie nach dem 11. September 2001 nicht wissen, was zu halten ist von diesem Mann, der da hysterisch herumschreit und weint und ein Ticket kauft nach Burlington, Vermont, one-way.
Nie mehr wird John Halligan den strahlenden Himmel vergessen, als er damals über New York flog und die gigantischen Löcher sah, die der Terror mitten in der Stadt gerissen hatte. Und er starrte runter und dachte sich. Das Loch da unten ist nicht größer als das Loch in meinem Herzen.
Halligan parkt vor der North Andover Middle School, nimmt seinen Lautsprecher, die Kabel, das iPhone und geht hinein in den geduckten Bau, er sagt: "Der Computer ist nicht der Grund, warum mein Sohn sich umgebracht hat. Aber er hat geholfen, die Kränkungen und den Schmerz so riesengroß werden zu lassen." Der stellvertretende Schuldirektor steht schon da, er trägt eine Krawatte mit Delphinen und sagt: "Hi John, toll, dass wir sie haben." Halligan redet immer mit den Schulleitern vor seinem Vortrag, weil sie oft genauso ahnungslos sind wie die Eltern. Er kennt die Sprüche: Ach, das geht vorbei. Die muss man nur zusammensetzen, bis sie sich die Hand geben. Ist doch Kinderkram.
John Halligan will wissen, wie die Schule reagiert, wenn ein Kind terrorisiert wird, ob sie überhaupt reagieren. Oder nur zuschaut. Er will wissen, ob die Lehrer eine Ahnung haben von der Cyberwelt, die weit weg ist vom Schulhof und doch mittendrin. Cyberbullying nennen sie das hier, wenn der Terror im Internet weitergeht. To bully, das heißt drangsalieren, einschüchtern, schikanieren. Es ist im Grunde das, was Kinder schon immer getan haben: Schwache fertigmachen, ausgrenzen. Eben nicht streiten. Früher haben sie den Unbeliebten einfach das Lineal drübergezogen, oder sie haben den Mädels in der Pause den Hüpfgummi gegen die blassen Beine schnalzen lassen. Der normale Schulterror, schlimm genug. Aber nach der Schule gingen die Kinder heim, und dann war Ruhe bis zum nächsten Tag.
Jetzt ist der Terror nonstop. Und er verbreitet sich rasend schnell im Internet, er bläht sich auf, weil Kinder Kinder vor einer riesigen Öffentlichkeit bloßstellen, weil sie sich texten und mailen und skypen und bloggen, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Auf Facebook, MySpace oder SchülerVZ oder Formspring.me, wo sie sich nächtelang herumtreiben und intimste Geschichten erzählen, komplett ungeschützt.
Da wächst eine Generation heran, für die das Netz das ist, was für frühere Generationen der Spielplatz, der Schulhof und das Einkaufszentrum waren. Es ist eine Generation, die immer vernetzt, immer erreichbar und immer verletzbar ist.
John Halligan bekommt, seit er in den Schulen auftritt, jede Woche mindestens eine E-Mail, in der ein Jugendlicher ihm mitteilt, dass er sich umbringen will. Dear Mr. Halligan, ich sehe keinen Grund mehr, weiterzuleben. Was sagt man dazu? "Alles ist großes Drama in diesen Lebensjahren", sagt John Halligan. Jugendliche könnten sich nicht vorstellen, dass Dinge wieder klein und unwichtig werden. Ted sagt, ich bin schwul. So etwas kann einen 13-Jährigen aus der Bahn werfen. John Halligan fragt sich, was passiert wäre, wenn sein Sohn so eine Hilfe-Mail geschickt hätte.
Er jedenfalls fängt sofort an zu recherchieren, ist ja oft nicht einfach, herauszufinden, wer da schreibt. Ein Name bedeutet nichts online, weil er falsch sein kann oder richtig. Einmal hat er einen Jungen in Belgien vom Selbstmord abgehalten, letzte Woche ein Mädchen in Kalifornien. Hofft er wenigstens.
Aus der ganzen Welt schreiben sie ihm. Cyberbullying ist ja kein amerikanisches Problem, es ist ein weltweites. Oft fängt die Drangsaliererei schon in der Volksschule an. In England soll jedes fünfte Volkschulkind betroffen sein. In Deutschland kam bei einer Online-Befragung heraus, dass zwölf Prozent der Kinder mehrmals in der Woche gebullyt werden. Am 16. Februar hat die EU einen Save Internet Day durchgeführt. In Deutschland wurde er fast nicht beachtet. "Oh ja, Deutschland, da hatte ich auch schon Post", sagt John Halligan.
Er weiß, wie das ist, wenn der eigene Sohn im Computer verschwindet, wenn er eintaucht in Welten, die bevölkert werden von Leuten aus aller Welt und aus allen Altersgruppen, die aus der Anonymität heraus angreifen. Er weiß, wie das ist, wenn man den Sohn im Leichenhaus liegen hat, ein weißes Tuch über dem Körper, und wenn man zum Abschied seinen kleinen kalten Kopf küsst.
Deswegen ist er hier, weil er anderen diesen Schmerz ersparen will. Und weil er denen, die wegschauen, Paroli bieten will. Der stellvertretende Schulleiter macht die Türen zum Auditorium auf, Lehrer verteilen Kleenexschachteln. Halligan lächelt. Sie haben sich vorbereitet in North Andover.
Dann baut er seinen Lautsprecher auf, steckt sein iPhone an, testet die Beleuchtung, geht noch einmal auf die Toilette, startet das Video. Plötzlich schwebt riesengroß sein Sohn vor ihm. Ryan Patrick Halligan, 1989 - 2003. Das schmale Gesicht, das schüchterne Lächeln, der ganze schlacksige Junge. Halligan hat seinen Vortrag mittlerweile in mehr als 400 Schulen gehalten, vor einem Jahr hat er seinen Job bei IBM aufgegeben, er ist jetzt nur noch unterwegs in Sachen Cyberbullying. Er ist ein Vortragsprofi.
Aber dieser Blick seines Sohnes zerreißt ihm jeden Morgen wieder das Herz, sagt er, stellt Ryans Gesicht scharf, macht das Video aus, wartet. Es ist 7.30 Uhr, sie werden bald kommen.
Sie kommen mit Getöse, 340 Kinder, strotzendes Leben. Sie strömen durch die Türen, setzen sich auf die Stühle, rangeln, flüstern, kichern. Bis einer die Kleenexschachteln entdeckt und hinrennt, um sich eine Handvoll mitzunehmen. Ein paar gehen mit, andere grinsen. Sie sind 13, 14 Jahre alt. Sie sind in der Hochphase des gegenseitigen Terrorisierens, sie sind die, die am wenigsten Emotion zeigen, wenn John Halligan davon spricht, wie er dem Jungen, der seinen Sohn mit Internetgerüchten in den Tod trieb, anschrie, wie er ihn am liebsten zerquetscht hätte. Die älteren Schüler, die Eltern, sie werden jetzt weich. Aber die 13-Jährigen wissen: Wer weint, ist eine Heulsuse, eine Memme, ein Schwuli. Sie sind so alt wie sein Sohn, als er sich aufgehängt hat.
John Halligan schaut die 340 Kinder an, die vor ihm sitzen. Dann rechnet er. Zehn Prozent haben über Selbstmord nachgedacht, fünf Prozent haben einen Selbstmordversuch hinter sich. Das sind 17 Kinder. Wenn er heute nur eines davon abhält, ist es ein guter Tag.
Jede Schule hat ein Bullying-Problem, jede hat Täter und Opfer. Und in jeder Schule sind bystander - das ist das applaudierende Publikum, für das der Terror gemacht wird. Die Zuschauer können was verändern, sie müssen sagen, was soll das, hört auf damit. Sie muss John Halligan überzeugen. Deswegen rast er durch Amerika, jeden Tag in einer anderen Stadt, in diesem Monat war er in Massachusetts, Kansas, Pennsylvania, New York und Neufundland, Kanada.
Er weiß, dass jede Schule anders ist, auch jede Stadt. In Las Vegas haben ihn die Schüler alle umarmt. In den Highschools weinen sie mehr als in den Middleschools. In den Städten jubeln sie, wenn er von der Schlägerei erzählt. Auf dem Land nicht.
"Wir begrüßen John Halligan, der uns die Geschichte seines Sohnes Ryan erzählen wird", sagt der Direktor, kurz und knapp. Halligan ist das recht, er braucht 90 Minuten. Er hat es oft genug gemacht, er weiß, wann sie anfangen zu weinen.
Dann drückt er auf Play und macht die Augen zu, er schafft es noch immer nicht, sich anzusehen, wie sein Sohn an ihm herumklettert, wie er die Geburtstagskerze ausbläst, 13, seine letzte. Als der Film aus ist, geht John Halligan auf die Bühne und sagt: "Ich war nicht vorbereitet auf das, was ich am anderen Ende der Telefonleitung hörte an diesem 7. Oktober. Den ganzen Weg nach Hause habe ich mich gefragt: Why, why, why?" Er schreit es in die Kindergesichter hinein. Die ersten weinen.
Er hat das alles schon so oft erzählt, das kurze Leben seines Sohnes Ryan. Die Geburt, der Umzug nach Vermont, die Schwierigkeiten in der Schule, Ryans Wunsch, auch zu den Coolen zu gehören, die Probleme mit dem Jungen, der Ryan terrorisierte, die tränenreichen Sitzungen am Küchentisch, die Idee, sich mit einem Karate-Kampf zu befreien, der Karate-Kid-Plan, die angebliche Versöhnung mit dem Jungen, der dann umso härter zurückschlug - online. Natürlich sei auch Ryan launisch gewesen, sagt der Vater, aber dann auch wieder liebevoll und lustig. Halligan macht eine Pause und sagt in die totale Stille hinein: "Ihr werdet alle mehr geliebt, als ihr euch das jemals vorstellen könnt. Mehr als ihr euch jemals vorstellen könnt."
Hunderte glasige Augen starren ihn jetzt an. Fast absurd kommt einem da das Zitat von Carol Balhetchet von der Singapore Children"s Society vor: "Da wächst eine völlig neue Rasse von Tyrannen heran. Sie sind narzisstisch, und ihre Bühne ist das Internet, wo sie innerhalb von Minuten Tausende Zuschauer haben - oder sogar Millionen." Das sollen die Tyrannen sein? Stellen diese Kinder blutige Videos von animierten Hinrichtungen ihrer Lehrer online? Treiben sie andere Kinder in den Selbstmord?
So wie Jessie Logan, die ihrem Freund ein Nacktfoto zuschickte, das der dann an die gesamte Schule weiterleitete. Am 3. Juli 2008 kam sie von einer Beerdigung und hängte sich auf. Sie war 13.
Oder Megan Meier, die auf MySpace einen Jungen kennenlernte, Josh Evans. Er war nett, sehr nett, dann fing er plötzlich an, sie zu beschimpfen: "Die Welt wäre besser ohne Dich." Das war seine letzte Nachricht am 17. Oktober 2006. Zwanzig Minuten später war sie tot. Sie war 13. Dabei waren diese Nachrichten gar nicht von dem Jungen gewesen, Mitschülerinnen und die Mutter einer Freundin hatten sich als Josh Evans ausgegeben.
Oder Jeffrey Johnston, über den ein Mitschüler online das Gerücht verbreitete, er sei schwul. Am 29. Juni 2005 fand ihn seine Mutter tot im Kleiderschrank. Sie sagt: "Mit der Tastatur als Waffe hat der Bully die Unverletzlichkeit meines Hauses zerstört und mein Kind ermordet. Als wäre er durch ein zerbrochenes Fenster gekrochen und hätte mit seinen eigenen Händen Jeff ermordet."
Oder Phoebe Prince, die sich am 14. Januar 2010 erhängte, weil sie den Hass der anderen Mädchen nicht mehr ertrug. Als auf ihrer Facebookseite auch nach ihrem Tod noch üble Kommentare veröffentlicht wurden, löschten die Eltern die Seite, und im Internet fielen sie über die mean girls her, die fiesen Mädchen von South Hadley. Die Bullys werden gebullyt - es ist ein ewiger Kreislauf.
Die Angst, terrorisiert zu werden, hält allein in den USA 160 000 Schüler jeden Tag von der Schule fern. Die Selbstmordgefahr bei einem Kind, das gebullyt wird, ist sechsmal größer als bei einem Kind, das keine Probleme hat. Eines von zwölf Kindern wird in der Schule so drangsaliert, dass es die Ausbildung, die Beziehungen und die Aussichten für die Zukunft stark beeinträchtigt.
John Halligan hält das Mikrofon mit beiden Händen und sagt, dass er nach Ryans Tod in Vermont das Anti-Bullying-Gesetz durchgeboxt hat. "Mein Gesetz" nennt er es. Und er gratuliert den Schülern, weil sie jetzt auch in Massachusetts ein Anti-Bullying-Gesetz haben. Vier Jahre hat es gedauert, erst der Tod von Phoebe Prince hat die Dinge ins Rollen gebracht. Applaus. Aber auch ein Gesetz kann die Dinge nicht aus der Welt schaffen. Es kann nur strafen. Den Rest müssen die Schulen tun, die Eltern, die Zuschauer.
John Halligan sagt, als er an diesem 7. November nach Hause kam, habe er Ryans Zimmer auf den Kopf gestellt, er habe die Tapete von der Wand gerissen und die Matratze vom Bett. Er suchte den Abschiedsbrief, die Erklärung. Sie hatten doch alles richtig gemacht. Es gab strenge Computer-Regeln: keine Konversationen mit Fremden online, kein Adressenaustausch mit Fremden online. Die Pädophilen im Netz, das war damals das Thema, davor wollte der Vater seine Kinder schützen. Aber vor anderen Kindern?
Und es gab noch eine Regel: kein geheimes Passwort. Nur für den Fall. Ryan hat sich daran gehalten. Und so hat sich der Vater eingeklickt in die Welt seines Sohnes. Was er dort las, hat ihm das zweite Mal das Herz gebrochen.
Ryans letzter Sommer war Krieg. Im Internet lief das Gerücht, dass es ihm gefallen habe, als der Arzt ihn anal untersuchte. Faggot nannten sie ihn, Schwuchtel. Da flirrten sie nun vor ihm, die verzweifelten Versuche seines Sohnes, die Dinge in Ordnung zu bringen. Ryans Mailboxen schwappten über mit Mails wie dieser: "Ich bin schwul, kann ich dich arschficken." Ryan kämpfte: Wer bist du? Kenne ich dich aus dem Teen Center? Woher hast du mein Passwort? Verschwinde. Dann das Mädchen, das mit Ryan online eine Beziehung anfing. Das kam noch dazu. Als die Sommerferien zu Ende waren, stellte sie sich in der realen Welt vor ihn und ließ die Bombe platzen: Hey, war nur ein Scherz.
"Ich kann mir die unfassbare Pein und die Scham vorstellen, die mein Sohn durchlebt hat. Ich dachte, er braucht eine Umarmung. Es stellte sich heraus, dass Daddy ein bisschen tiefer hätte bohren müssen", sagt John Halligan. In der ersten Reihe wird jetzt hemmungslos geweint. "Aber es gibt keine Zeitmaschine. Nicht für mich und nicht für die Bullys", sagt John Halligan, schaut in den großen Saal, in die kleinen Gesichter. "Ich flehe euch an, bittet um Hilfe", sagt er.
Er weiß, dass heute Abend sein E-Mail-Postfach wieder überlaufen wird. Sie werden beichten und sich ausweinen, werden ihm danken und erzählen, dass sich der schlimmste Bully bei ihnen entschuldigt hat, vor der Klasse. Die Arbeit, sagt John Halligan, als er seinen Lautsprecher und sein iPhone einpackt, fängt für ihn danach an. Online.
Dann holt er einen kleinen Zettel raus. Ein paar Zeilen kleben am oberen Rand. Ryans Abschiedsbrief an einen Fremden.
Junge: wirst du dich jetzt endlich umbringen?!
Ryan: yep
Junge: phew
Junge: ist ja auch verdammte zeit
Ryan: morgen kannst du es in der zeitung lesen
Ob amerikanische Kinder oder deutsche, sie sind jederzeit erreichbar und verletzbar.
Als John sich einklickt in das zerstörte Leben von Ryan, sieht er: Es ist der reine Krieg.
Der Vater dachte, der Sohn braucht eine Umarmung. Aber er hätte tiefer bohren müssen. |